Obwohl es haufenweise Ratgeber und Selbsthilfebücher gibt, die für Tipps und Analysen zu Rate gezogen werden, überwiegt der Trend der Nörgelei und der Passivität. Letztens erst führte ich eine Diskussion mit einem Bekannten. Er hat ein einmaliges Jobangeboten erhalten und schlug dieses aus, um verhältnismäßig durchschnittlich weiter zu leben und das obwohl er sehr lange nach einer neuen Möglichkeit gesucht hat. Provokativ habe ich ihn gefragt: „Ich habe zwei Geschenke für dich, einen Topf voller Gold und einen gefüllt mit Schokoladentaler. Warum entscheidet du dich für die Schokolade, wenn du einen Topf voller Gold haben kannst?“ Völlig unklar ist mir, warum Menschen passiv bleiben und das bei einer Quote von 95 %. Merg und Knödler haben herausgefunden, dass überhaupt nur 5 % der Bevölkerung konkrete Berufs- und Lebensziele definieren können (vgl. Merg/Knödler 2007: 38).

Die Frage mit dem Bezug, den der Mensch den er zu sich selbst hat, und der dringend nötigen Selbstanalyse. Birkenbihl provoziert mit seiner Antwort. Er sagt, dass der Durchschnittsmensch dem Denken möglichst aus dem Weg geht, denn er fürchtet die Konsequenzen seines eigenen Denkens. Er hat nicht nur Angst vor jeglichem Risiko, er hat auch Angst in einer neuen Situation zu versagen (vgl. 1991: 132). Der Psychoanalytiker und Angstexperte Fritz Riemann setzt die Angst ebenfalls in Verbindung mit dem Unbekannten:

“Angst tritt immer dort auf, wo wir uns in einer Situation befinden, der wir nicht oder noch nicht gewachsen sind. Jede Entwicklung, jeder Reifungsschritt ist mit Angst verbunden, denn er führt uns in etwas Neues, bisher nicht Gekanntes und Gekonntes, in innere und äußere Situationen, die wir noch nicht und in denen wir uns noch nicht erlebet haben.“ (Riemann o.J.: o.S., zit. n. Merg/Knödler 2007: 17).

Schon allein mit der Befürchtung, es könnte schief gehen, nimmt man sich den Wind aus dem Segel. Man beruhigt sich mit dem bereits erreichten und gibt sich vorerst damit zufrieden. Wenn wir uns die Sichtweise des Künstlers oder des Wissenschaftlers gegenüber dem Leben zu eigen machen, so gibt es keinerlei Versagen. Ein Experiment bringt Ergebnisse: Wir lernen aus ihm. Da sie zu unserem Verständnis und unserer Sachkenntnis beitragen, verlieren wir nichts – wie immer die Ergebnisse auch aussehen mögen. Das Erfahren an und für sich ist ein Experiment. (Ferguson 1983: o.S., zit. n. Birkenbihl 1991: 132) Und hier finden wir uns schon wieder in einer Grundfragediskussion: Entscheide ich mich für die Sichtweise, dass das Leben ein ständiges Erfahren und im Begriff der ständigen Veränderung ist, oder halte ich von Angst geprägt an alten Gewohnheiten fest? Ganz abgesehen davon kann ich der Entscheidung nicht aus dem Weg gehen. In Anlehnung an Paul Watzlawiks Axiom: „Man kann nicht nicht kommunizieren“ komme ich zu dem Schluss „Man kann nicht nicht entscheiden“. Mit einer passiven Entscheidungshaltung entscheide ich aktiv keine Entscheidungen treffen zu wollen.

Am Ende dieser Auseinandersetzung mit Entscheidungen und der beruflichen Selbstverwirklichung scheint es mir, das Ziel der beruflichen Selbstverwirklichung ist kein Katzensprung, es ist vielmehr ein Langstreckenlauf mit mehreren Etappen, die von einem Ausdauer und Mut abverlangen. Mit einer passiven Grundhaltung scheint das Ziel unerreichbar. Denn äußeren Umstände müssten für einen die nötigen und richtigen Entscheidungen treffen. Diese Entscheidungen sind von so vielen Menschen und undefinierbaren Situationen abhängig, dass das Eintreffen der Chance auf einen Lottogewinn gleicht.

Für mich als aktiver Kapitän meines Bootes muss ich mich um die Steuerung kümmern. Es Es liegt in meiner Verantwortung. Des weiteren hoffe ich, dass Mensch, Schicksal und Wetter es gut mit mir meinen, während ich mich dem Strom des Lebens entgegen paddele. Während ich diese Erkenntnis in mir sacken lasse, suche ich mir eine neue Herausforderung. Denn durch diese Arbeit ist mir eines noch deutlicher geworden: “Durch unsere Entscheidungen definieren wir uns selbst. Allein durch sie können wir aus dem, was wir sind, das machen, was wir sein wollen.” (aus „Der träumende Delphin“ von S. Bambaren). Folglich stelle ich mir wieder die eine Frage: “Was will ich jetzt wirklich?”

 


Birkenbihl, Michael (1991): Karriere und innere Harmonie sind möglich. München: mvg-Verlag.

Ferguson, Marilyn (1983): Die sanfte Verschwörung. Basel: Sphinx Verlag.

Merg, Klaus/Knödler, Torsten (2007): Überleben im Job. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Heidelberg: Redline Wirtschaft.

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